• Bestellung, Service und Beratung +49 (0)2330-800860
  • Bestellung, Service und Beratung +49 (0)2330-800860

Orchideen – und was sie uns erzĂ€hlen ...

Orchideen waren der Ursprung unserer Firmengeschichte, die Ende der 50`er Jahre mit der Orchideensammlung von Kuno Krieger begann. Daher möchten wir dieses Thema an dieser Stelle einmal aufgreifen und dieser fazinierende Pflanzengattung eine eigene Seite gönnen.

Schönheit und Eleganz

„BĂŒcher von Duft und Schönheit“ - unter diesem Titel erschien einst im fernen China ein Buch, das sich der Pflege einer schon damals hochgeschĂ€tzten Pflanze widmete - der Orchidee. Aber bereits weit frĂŒher, um das Jahr 500 vor Christus, rĂŒhmte der bekannte chinesischen Philosoph Konfuzius die Orchidee und erfreute sich an ihrem Duft. Im Jahre 300 nach Christus entdeckte ein Minister des chinesischen Reiches seine Liebe zu den Orchideen und verfasste eine wissenschaftliche Abhandlung ĂŒber zwei Orchideen, die man als Cymbidium ensifolieum und Dendrobium moniliforme identifizieren konnte. Im Chinesischen wird die Orchidee mit dem Schriftzeichen "Lan" bezeichnet. Es steht fĂŒr Reinheit, Liebe, Eleganz, Anmut, Schönheit und Vollkommenheit. Orchideen zĂ€hlten zu den vier edelsten Gartenpflanzen der Tang Dynastie (628 - 904 n.Chr.) und erfreuten die mĂ€chtigen des Landes.

"Die Orchideenkultur des Herrn Wong" lautet eines der Kapitel des eingangs erwĂ€hnten Buches „BĂŒcher von Duft und Schönheit“, das irgendwann zwischen 960 und 1279 nach Christus herausgegeben wurde. Hier hören wir Erstaunliches ĂŒber die Pflege der Orchideen. So solle man die Pflanzen zum Schutz vor kalten Bodenwinden auf einem erhöhtem, windgeschĂŒtztem Standort kultivieren, man stelle ihnen ausreichend Licht zur VerfĂŒgung und topfe sie in geeigneten Pflanzstoff. Zum Umpflanzen zerschlage man den vorhandenen Topf, um die Wurzeln und Neutriebe nicht zu zerstören und gebe dem neuen Topf eine gute Drainage bei. DĂŒnger reiche man regelmĂ€ĂŸig und zum richtigen Zeitpunkt. Als eine fĂŒr Orchideen sehr geeignete DĂŒngung galt damals vergorenes Fischfleisch, welches in geklĂ€rtem Schlammwasser aufgelöst werden sollte – ein VorlĂ€ufer der heute als OrchideendĂŒnger genutzten "Fischemulsion".

Aufgrund ihrer Beliebtheit bei den Vornehmsten des Landes fand sich die Orchidee, besonders die Cymbidie, hĂ€ufig als Motiv in Poesie und Malerei. "Ich male im Frohsinn die Orchidee und im Zorn den Bambus" - so Ă€ußerte sich ein bekannter chinesischer Malermönch des 13. Jahrhunderts.

Entsprechend ihrer Beliebtheit gab man den Orchideen wohlklingende Namen wie Duftende Blume, Fingernagel der Fee oder Bergkoralle.

Wenngleich China als das Zentrum der ostasiatischen Orchideenkultur galt, war die Pflanze auch im Nachbarland Japan sehr beliebt. Der Kaiser höchstpersönlich verfasste 1772 ein Orchideenbuch, dass allerdings in chinesischer Sprache erschien.

Vanille Pflanze im GewÀchshaus

Aroma und Magie

In SĂŒdamerika, der Heimat vieler Orchideengattungen, hegte man ebenfalls Orchideen. Die Azteken nannten sie "Tzacutli". Da den Azteken die Schlange heilig war und sie ihnen magische KrĂ€fte zuschrieben, pflanzten sie in den TempelgĂ€rten besonders gern die "Coatzontecomax-Ochitl", Stanhopea-Arten, deren BlĂŒten den Betrachter an Schlangenköpfe erinnern. Besonders beliebt war aber auch die "Tlilx-Ochitl", die Schwarze Blume. Als GewĂŒrz und Zahlungsmittel fand diese Pflanze bei den sĂŒdamerikanischen Völkern reiche Verwendung. Uns in Europa ist diese Pflanze besser bekannt unter dem botanischen Namen Vanilla planifolia. In der KĂŒche benutzten wir sie besonders gern unter dem Handelsnamen "Bourbon - Vanille". Dieser Name bezieht sich auf die Insel Bourbon, auf der man besonders wĂŒrzige Vanille produziert. Über 1500 Tonnen dieses edlen GewĂŒrzes werden jĂ€hrlich weltweit geerntet. Eine Stange Bourbon - Vanille ist im Handel bekanntlich recht teuer. Doch der Geschmack echter Vanille konnte bis heute durch kein kĂŒnstliches Aroma ersetzt werden.

Wahrheit und Phantasie

Wenngleich in tropischen LĂ€ndern die BlĂŒten der Orchideenarten sich weitaus grĂ¶ĂŸer, beeindruckender und in reicherer Artenzahl zeigen, so treffen wir doch auch in Europa und Kleinasien auf eine Vielzahl interessanter Orchideenarten. Hier finden sich vorwiegend Erdorchideen wie die zahlreichen Orchis- und Ophrys -Arten. Wie in China befassten sich auch die Wissenschaftler der Antike schon frĂŒh mit den Orchideen. Theophrast von Lesbos (372 - 289 v.Chr.), der als BegrĂŒnder der wissenschaftlichen Disziplin der Botanik im antiken Kulturkreis gilt, erwĂ€hnt sie in seinem Buch "Historia plantarum" („Die Geschichte der Pflanzen“). Hier stoßen wir auch zum ersten Mal auf die Bezeichnung, die der ganzen Familie den Namen gegeben hat - Orchis. Orchis, was soviel wie Hoden bedeutet, bezieht sich auf die Form der zwei charakteristischen, ungleich großen unterirdischen Knollen. Aufgrund der Form dieser Knollen pflegte man sie gemahlen als Aphrodisiakum zu nutzen. Doch die Wirkung beruhte wohl eher auf einer anregenden Einbildung. Und auch die Vorstellung, dass durch den Genus der jeweils grĂ¶ĂŸeren oder kleineren Knolle ein Junge oder ein MĂ€dchen zur Welt gebracht werden könne beruhte wohl eher auf zufĂ€lligen Ergebnissen. Dioscurides von Kilikien beschrieb in seinen botanischen Schriften vier Orchideenarten. Wichtiger jedoch als die wissenschaftliche Unterscheidung verschiedener Arten war den Wissenschaftlern der Antike die Verwendung von Pflanzen als Heilmittel. Zu den reinen Beschreibungen der Pflanzen gesellten sich alsbald auch zeichnerische Darstellungen, um eine eventuell gefĂ€hrliche Verwechslung von zu vermeiden. So ist in einer Abschrift des Dioscurides aus dem 7. Jh. n.Chr. eine Ă€ußerst prĂ€zise, farbige Abbildung erhalten geblieben. Die abgebildete Orchidee wird "Satyrion" genannt, da die BlĂŒtenform den Satyrnen Ă€hnelt.

Bis in die KlostergĂ€rten des Mittelalters zieht sich die Tradition, Orchideen als Heilpflanzen anzubauen. Und wer einmal an neblig - kalten Wintertagen durch Istanbul streift, bekommt dort auch heute noch allerorten ein GetrĂ€nk namens „Salep“ angeboten. Es besteht aus in Milch aufgelöstem Pulver der Orchis-Knollen. Dieses GetrĂ€nk wird geschĂ€tzt wegen seiner heilenden KrĂ€fte gegen ErkĂ€ltungs- und Magenkrankheiten.

Die meisten Orchideen begeistern den Betrachter durch die Schönheit ihrer BlĂŒten. Der Dichter Maeterling allerdings schaute sich die BlĂŒte der Bocksriemenzunge nĂ€her an und kam zu folgender Beschreibung: "... von Anfang an mit bronzefarbenen Furunkeln, mit MerowingerbĂ€rten und ĂŒbel aussehenden lila Beulen bedeckt, und verlĂ€ngert sich endlos, toll und unwahrscheinlich in Gestalt eines schraubenzieherartigen Bandes von der Farbe einer Wasserleiche.

Botanische Sonderlinge

GegenĂŒber den Wissenschaftlern der Antike, die vier Orchideenarten beschrieben, unterschieden europĂ€ische Botaniker des 16. Jahrhunderts bereits ĂŒber 60 einheimische Arten. Schier ĂŒberwĂ€ltigt waren sie dann aber, als sie mit den europĂ€ischen Eroberern SĂŒdamerikas in die endlosen Dschungelgebiete vordrangen und den unglaublichen Artenreichtum der tropischen, ĂŒberaus prachtvollen, großblĂŒtigen und teils wundersam geformten Orchideenarten entdeckten. Erst im Laufe der Zeit sollten die Botaniker feststellen, dass die Orchideen zu den artenreichsten Pflanzenfamilien gehören.

Dabei sind die Orchideen erst 65 Millionen Jahre alt und erst seit 30 Millionen Jahren besteht die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen wie wir sie heute kennen. Das mag dem ein oder anderen recht alt erscheinen. Aber Palmen z.B. existieren schon seit mehr als 150 Millionen. Jahren. Erdgeschichtlich betrachtet gehört die Familie der Orchidaceae somit in gewisser Weise zu den Teenagern der Pflanzenwelt. Ist dies vielleicht der Grund fĂŒr ihre viel gerĂŒhmte Schönheit? Und fĂŒr ihre Eitelkeit? Nahezu jede Orchideenart wird von ihrem "persönlichen" Insekt, meist einem Schmetterling, hofiert. Diesen individuellen Betreuern obliegt die ordnungsgemĂ€ĂŸe BestĂ€ubung der oft sehr kompliziert gestalteten OrchideenblĂŒten. Je nach BlĂŒtenform muss der bestĂ€ubende Schmetterling einen entsprechend gestalteten RĂŒssel besitzen. Diese Tatsache war auch dem berĂŒhmten Naturwissenschaftler Charles Darwin bekannt. Er suchte lange Zeit nach dem passenden Insekt, dem es wohl möglich sei, Nektar aus dem 35 cm langen Sporn der Angraeceum sesquipedale zu saugen. Er fand keines und vermutete daher, dass es sich dabei um einen bislang unbekannten langrĂŒsseligen Nachtschmetterling handeln mĂŒsse. SpĂ€ter entdeckte man in der Tat diesen NachtschwĂ€rmer mit einem ungewöhnlich langen RĂŒssel und man nannte ihn zu Ehren Charles Darwins Xantopan morgani praedicta, "Der vorhergesagte Schmetterling".

Botanische Sonderlinge

GegenĂŒber den Wissenschaftlern der Antike, die vier Orchideenarten beschrieben, unterschieden europĂ€ische Botaniker des 16. Jahrhunderts bereits ĂŒber 60 einheimische Arten. Schier ĂŒberwĂ€ltigt waren sie dann aber, als sie mit den europĂ€ischen Eroberern SĂŒdamerikas in die endlosen Dschungelgebiete vordrangen und den unglaublichen Artenreichtum der tropischen, ĂŒberaus prachtvollen, großblĂŒtigen und teils wundersam geformten Orchideenarten entdeckten. Erst im Laufe der Zeit sollten die Botaniker feststellen, dass die Orchideen zu den artenreichsten Pflanzenfamilien gehören.

Dabei sind die Orchideen erst 65 Millionen Jahre alt und erst seit 30 Millionen Jahren besteht die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen wie wir sie heute kennen. Das mag dem ein oder anderen recht alt erscheinen. Aber Palmen z.B. existieren schon seit mehr als 150 Millionen. Jahren. Erdgeschichtlich betrachtet gehört die Familie der Orchidaceae somit in gewisser Weise zu den Teenagern der Pflanzenwelt. Ist dies vielleicht der Grund fĂŒr ihre viel gerĂŒhmte Schönheit? Und fĂŒr ihre Eitelkeit? Nahezu jede Orchideenart wird von ihrem "persönlichen" Insekt, meist einem Schmetterling, hofiert. Diesen individuellen Betreuern obliegt die ordnungsgemĂ€ĂŸe BestĂ€ubung der oft sehr kompliziert gestalteten OrchideenblĂŒten.

Je nach BlĂŒtenform muss der bestĂ€ubende Schmetterling einen entsprechend gestalteten RĂŒssel besitzen. Diese Tatsache war auch dem berĂŒhmten Naturwissenschaftler Charles Darwin bekannt. Er suchte lange Zeit nach dem passenden Insekt, dem es wohl möglich sei, Nektar aus dem 35 cm langen Sporn der Angraeceum sesquipedale zu saugen. Er fand keines und vermutete daher, dass es sich dabei um einen bislang unbekannten langrĂŒsseligen Nachtschmetterling handeln mĂŒsse. SpĂ€ter entdeckte man in der Tat diesen NachtschwĂ€rmer mit einem ungewöhnlich langen RĂŒssel und man nannte ihn zu Ehren Charles Darwins Xantopan morgani praedicta, "Der vorhergesagte Schmetterling".

Evolution live

Wie die ersten Orchideen aussahen, weiß man nicht. Nur, dass sie außerordentlich anpassungsfĂ€hige GewĂ€chse sind und sich wohl nicht zuletzt deshalb nahezu ĂŒber die ganze Welt verbreiten konnten. Auf allen Kontinenten und in den unterschiedlichsten Klimazonen sind Orchideen anzutreffen. In fast 30 000 natĂŒrlich vorkommenden Arten verteilen sie sich nahezu ĂŒber alle Klimazonen. Von tropisch heißen Gebieten bis in Gebirgslagen von ĂŒber 3000 Metern finden sie ihr Auskommen. Sie wachsen auf den höchsten BĂ€umen und unsichtbar unter der Erde. Und immer wieder entdeckt man in unzugĂ€nglichen Landschaften neue Arten. Als junge Pflanzenfamilie verfĂŒgen die Orchideen auch ĂŒber die FĂ€higkeit zwischen verschieden Arten und sogar zwischen unterschiedlichen Gattungen Kreuzungen einzugehen, so dass immer noch neue Arten auf natĂŒrlichem Wege entstehen sg. Naturhybriden. Hier kann man sozusagen die VorgĂ€nge der Evolution live verfolgen. Die Eigenschaft der Artenkreuzung wurde frĂŒh erkannt und von den Pionieren der OrchideenzĂŒchter zur Kreation immer neuer Arten genutzt. An die 100.000 Hybriden entstanden so im Laufe der Zeit.

Botanische Wunderkinder

Und noch einige Eigenschaften versetzten die Orchideen in die Lage zu einer der artenreichsten Pflanzenfamilie zu avancieren. Nicht nur an die unterschiedlichsten TemperaturverhĂ€ltnisse kann sie sich anpassen, sondern auch an sonstige Standortfaktoren wie Bodenbeschaffenheit, Nahrungs- und Wasserangebot. Ob in der Erde (terrestrisch), auf BĂ€umen (epiphytisch) oder Steinen (lithophytisch) oder auf toter, organischer Substanz (saprophytisch), Ă€ußerst vielfĂ€ltig sind die LebensrĂ€ume der Orchideen.

Mit krÀftigen Wurzeln halten sie sich auf den höchsten BÀumen des Urwaldes oder in den kleinsten Felsspalten. Ihren Wasserbedarf können sie schon durch geringste Mengen an Tau oder Nebel, der durch Luftwurzeln aufgenommen wird, decken. Zeitlich begrenzten Wassermangel gleichen sie mit Speicherorganen wie Pseudobulben, dickfleischigen BlÀttern oder Wurzeln aus.

Vielleicht ist es diese unvergleichliche Vielfalt und der komplexe Pflanzenaufbau, die der Orchidee den Ruf einer kompliziert zu kultivierenden Pflanze eingebracht haben, die fĂŒr den "normalen Blumenfreund" zur Kultur nicht geeignet sei. Dabei garantiert gerade diese VielfĂ€ltigkeit eine geeignete Pflanze fĂŒr diverse Gegebenheiten. GewĂ€chshaus, Wintergarten und nicht zuletzt die Fensterbank sind zur Kultur von Orchideen bestens geeignet. Auf die Auswahl der geeigneten Arten kommt es dabei an. LichtverhĂ€ltnisse, Temperaturen und Feuchtebedarf sind zu beachten. Dann jedoch kann man durchaus beachtliche Erfolge auch auf der Fensterbank erzielen. Eines allerdings kann der Orchideenliebhaber im Allgemeinen mit der Orchidee nicht: ihm gefĂ€llige Pflanzen durch Samen einfach vermehren. Das bleibt nach wie vor SpezialgĂ€rtnereien ĂŒberlassen, die sich teils schon seit mehreren Generationen mit der Kultur und ZĂŒchtung von Orchideen befassen.

Wanderer wider Willen

Die erste tropische OrchideenblĂŒte, die in Europa blĂŒhte, eine Brassavola nodosa aus SĂŒdamerika, bewunderte man 1615 in Holland. Die bedeutendste Rolle bei der Kultur und Einfuhr tropischer Orchideen spielte jedoch schon bald das Königreich England. Seit 1600 grĂŒndeten die neuen entstandenen KolonialmĂ€chte große Handelsorganisationen, z.B. die "Ostindien - Kompanie", die sich die wirtschaftlichen Ausbeutung der neu "entdeckten" LĂ€nder SĂŒdamerikas, Afrikas und Asiens zur Aufgabe gemacht hatten. Im Zuge dieser HandelsaktivitĂ€ten kamen zahlreiche Orchideen in die botanischen GĂ€rten und spĂ€ter auch in die privaten GĂ€rtnereien Englands. Besonders der botanische Garten von London kultivierte bald zahlreiche Orchideenarten und erforschte ihre Lebensweise. Die Wissenschaftler waren oft mehr beeindruckt von der epiphytischen Lebensweise der Orchideen, als von den BlĂŒten, denn solche botanischen KuriositĂ€ten kannte man aus der einheimischen Pflanzenwelt kaum. Private Pflanzenliebhaber schĂ€tzten besonders die BlĂŒten der Orchideen. Mit den seltenen und schwer zu erhaltenden Orchideen konnten sie auf beeindruckende Weise ihre prestigetrĂ€chtigen, teils recht umfangreichen und wertvollen Sammlungen bereichern. DafĂŒr waren sie bereit, Unsummen auf den Tisch der AuktionshĂ€user zu legen, die zur Pionierzeit des Orchideenhandels mit dem Vertrieb der Pflanzen Geld verdienten. Noch 1903 soll ein englischer Orchideenliebhaber 20.000 Goldmark fĂŒr eine bestimmte Odontoglossum - Art hingeblĂ€ttert haben. Diejenigen, die es sich leisten konnten oder die mit Orchideen ihr Geld verdienen wollten, schickten eigene Sammler auf die abenteuerlichen Sammelreisen in die ganze Welt. Vor allem in der frĂŒhen Sammelzeit, als die Transportmethoden nicht ausgereift und die Segelschiffe Monate fĂŒr die Heimreise benötigten, wurden durch die Sammler gigantische Mengen von Orchideen "geerntet", die jedoch nur zu einem geringen Prozentsatz ihren Bestimmungsort lebend erreichten.

BerĂŒhmte OrchideengĂ€rtnereien entstanden in dieser Zeit, die recht schnell ihr Sortiment aber auch ihre Kenntnisse ĂŒber Orchideen betrĂ€chtlich erweiterten. Es war nur konsequent, daß man nun auch die wertvollen Pflanzen, die man besaß, reproduzieren wollte oder auch durch neue Kreuzungen auf sich aufmerksam machen wollte. Veitch und Sander in England, Makoy in Belgien, Nicolai und Hennis in Deutschland sind mit die bekanntesten OrchideengĂ€rtnereien des 19. Jahrhunderts, die z.T. noch heute bestehen. Dem ObergĂ€rtner der Firma Veitch, John Dominy, gelang 1856 die erste kĂŒnstlich herbeigefĂŒhrte Orchideenkreuzung - mit UnterstĂŒtzung eines Chirurgen. Insgesamt schuf er 25 Kreuzungen. Sein Nachfolger John Seden kam schon auf ĂŒber 500 Hybriden. Kreuzen und ZĂŒchten von Orchideen war auch fĂŒr Fachleute nicht einfach. Neben der Auswahl geeigneter Mutterpflanzen war besonders die Aufzucht der SĂ€mlinge ĂŒberaus schwierig. Wir werden spĂ€ter sehen warum.

Orchideennamen erzÀhlen

Die Namen zahlreicher Orchideen können uns heute noch einiges aus der Pionierzeit der Orchideenkultur berichten. Die Art Masdevallia veitchiana z.B. wurde von einem Sammler der Firma Veitch entdeckt und in diesem Betrieb zum erstem Mal erfolgreich kultiviert. Die Gattung Masdevallia selbst wurde nach dem spanischen Arzt und Botaniker Jose Masdevall benannt.

FĂŒr den OrchideenzĂŒchter der GĂ€rtnerei F. C. Sander war der GĂ€rtnergeselle Benedict Roezl aus Prag in der ganzen Welt unterwegs. Roezl hatte durch einen Unfall einen Arm verloren. Trotzdem war er stĂ€ndig auf Reisen und entdeckte ĂŒber 800 neue Arten und Gattungen. Damit gilt er als einer der erfolgreichsten Orchideensammler aller Zeiten. Eine von ihm entdeckte Miltonia, die der GĂ€rtner Sander dem englischen Orchideenliebhaber Sir Henry Schroeder zukommen ließ, die Miltonia roezlii `Baron SchroederÂŽ, erinnert an Roezl.

Auch die Damen der besseren Gesellschaft betĂ€tigten sich recht erfolgreich als Orchideenliebhaberinnen. So gelang es einer gewissen Lady Acland aus Exeter zum ersten Mal, die dann nach ihr benannte Cattleya aclandiae zum BlĂŒhen zu bringen.

ZufĂ€lle ĂŒber ZufĂ€lle

Eine lĂ€ngere Geschichte rankt sich um die Cattleya. GlĂŒck und Zufall bestimmten ihre Geschichte. Um das Jahr 1818 erhielt der englische OrchideengĂ€rtner William Cattley eine Pflanzensendung seines Sammlers William Swainson aus Brasilien. Diese Sendung soll zum Schutz des Inhaltes pflanzliches Verpackungsmaterial enthalten haben. Aus Neugier soll Cattley einige dieser unansehnlichen GewĂ€chse in eine Ecke seines GewĂ€chshauses gepflanzt haben. Er staunte nicht schlecht, als einige Monate spĂ€ter die prachtvollen und herrlich duftenden BlĂŒten der Cattleya daraus hervorkamen. So zumindest erzĂ€hlt man es. William Cattley erkannte schnell, dass er mit dieser Pflanze einen großen Fisch gefangen hatte und er bemĂŒhte sich um weitere Pflanzen. Doch der Sammler Swainson hatte die Cattleya zwar entdeckt, doch sorgte er kurioser Weise auch fĂŒr deren Verschwinden. Irgendwie hatte er „vergessen“, den Standort der Pflanze bekannt zu machen und war inzwischen unauffindbar nach Neuseeland entschwunden. So schickten alle grĂ¶ĂŸeren OrchideengĂ€rtnereien aus England, Frankreich und Belgien zwischen 1830 und 1880 ihre besten Sammler nach Brasilien, um die Cattleya wiederzufinden. Da sie jedoch alle einer falschen FĂ€hrte folgten und die Pflanze in der NĂ€he von Rio de Janeiro suchten, blieben sie erfolglos. Swainson war zwar auch in Rio gewesen, aber angekommen war er in einer Stadt namens Recife. Das hatte er sogar in einem Reisebericht festgehalten. Es ist naheliegend, dass er also auch an seinem Ankunftsort nach Orchideen gesucht hatte.

Dem Zufall war es dann zu verdanken, dass die Pflanze schließlich wiederentdeckt wurde. Der Direktor des Paris Naturkundemuseums hatte einen Sammler nach Brasilien geschickt, um seltene Insekten zu sammeln. Da der Sammler wusste, dass sein Auftraggeber eine kleine Orchideensammlung als Hobby betrieb, sandte er ihm auch 50 Orchideenpflanzen, die er in Pernambuco gefunden hatte. Der Zufall wollte es, dass 1889 Frederick Sander von der bekannten englischen OrchideengĂ€rtnerei Sander den französischen Museumsdirektor Ms. Moreau gerade zu dem Zeitpunkt besuchte, als die Cattleya in BlĂŒte stand. Sofort erkannte Sander die „verschwundene“ Pflanze wieder und erhielt auch nĂ€here Informationen ĂŒber den Standort, da Mis. Moreau kein kommerzielles Interesse an den Orchideen hegte. Im folgenden wurde die Ruhe, die Pflanzen bisher in der Abgeschiedenheit des Urwaldes in Pernambuco genossen jĂ€h zerstört. Tausende von Pflanzen wurden exportiert und die Cattleya wurde eine der beliebtesten Orchideen ihrer Zeit.

Vermehrung

Heute werden Millionen von Orchideen als Topf- und Schnittblumen in europĂ€ischen, besonders hollĂ€ndischen, GĂ€rtnereien vermehrt. Bis man jedoch die geeigneten Methoden herausfand, waren einige Schwierigkeiten zu ĂŒberwinden.

Zwar gelang es schon bald nach der EinfĂŒhrung der ersten Orchideen nach Europa, die Pflanzen zu kultivieren und eine gewisse Zeit am Leben zu erhalten, doch der Erfolg von Orchideenaussaaten blieb bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts eher dem Zufall ĂŒberlassen. Man wusste bereits um die Bedeutung der Insekten bei der BestĂ€ubung der BlĂŒten und entwickelte entsprechende Verfahren, um die BlĂŒten von Hand zu bestĂ€uben. Die Samenkapseln reiften auch gut heran, doch wie viel MĂŒhe man sich auch mit der Aussaat gab, bedeutende Erfolge erzielte man nicht. An der Menge der Samen konnte es auf jeden Fall nicht liegen. Wie in jĂŒngerer Zeit Astronomen der Sternwarte Greenwich mit Hilfe ihrer technischen Hilfsmittel herausfanden, ist die Menge der in einer Samenkapsel ausgezĂ€hlten Körner wahrhaft astronomisch. 4 Millionen Körner zĂ€hlten sie in einer Kapsel. 500.000 solcher Körner wĂ€ren notwendig, um das Gewicht von 1 Gramm Samen zu ergeben. Es gibt keine Pflanze auf der Welt, die kleinere Samenkörner als die Orchidee hat.

Nicht ohne meine Pilze ...

Aber erst 1899 konnte der französische Forscher Noel Bernard das Geheimnis der erfolgreichen Vermehrung der Orchideen durch Samen - eher zufĂ€llig - lĂŒften. Eine zu spĂ€t geerntete Samenkapsel war umgeknickt und mit einem dichten Pilzmycel umgeben. Trotzdem gelang die Aussaat hervorragend. Das winzige Samenkorn der Orchidee benötigt nĂ€mlich als Ersatz fĂŒr fehlendes NĂ€hrgewebe unbedingt die Verdauungsprodukte bestimmter Pilze und auch die heranwachsenden Jungpflanzen profitieren noch von diesen Stoffen. Allerdings nĂŒtzte diese Erkenntnis den OrchideengĂ€rtnern seiner Zeit noch recht wenig, da die entsprechenden Pilze nicht bekannt waren oder in der Praxis nicht kultiviert werden konnten.

Doch einige Jahre spĂ€ter sorgte der amerikanische Forscher Lewis Knudson fĂŒr die Revolution in der Orchideenaussaat. Er bereitete eine Art "Aussaat-Pudding" zu, bestehend aus Zucker, Meeresalgen-Gelantine, NĂ€hrstoffen und Wasser. Auf diese NĂ€hrlösung wurden die Samen im Labor keimfrei in Flaschen aussgesĂ€t.

FĂŒr den OrchideengĂ€rtner und auch fĂŒr den AmateurzĂŒchter gab es jetzt kein Halten mehr. Hunderte von Kreuzungen entstanden nun jĂ€hrlich – bis heute ĂŒber 100.000 Kreuzungen. Nur dem schon erwĂ€hnten GĂ€rtner Frederik C. Sander ist es zu verdanken, daß die Übersicht gewahrt blieb. Er registrierte seit 1901 alle neuen Hybriden in der "SanderÂŽs List of Orchid Hybrids", die bis heute durch die Königliche Gartenbaugesellschaft von England fortgefĂŒhrt wird.

In jĂŒngerer Zeit nutzte man vor allem in Europa die Kenntnisse ĂŒber die Zellteilung zur Entwicklung einer neuen Vermehrungsmethode, der s.g. Meristemvermehrung. So können Pflanzen vollkommen identisch 1000-fach „vervielfĂ€ltigt“ werden.

Nach Entdeckung dieser neuen Technik hat sich schnell eine regelrechte Orchideen-Industrie entwickelt. Die Vielfalt der Arten, die einst die Orchideenliebhaber erfreuten, scheint bei der Massenproduktion auf der Strecke zu bleiben. Die große Nachfrage als Schnittblume oder fĂŒr den schnellen Verkauf in BlumenlĂ€den, KaufhĂ€usern oder Gartencentern hat einer Großproduktion weniger Standardsorten hervorgerufen, die in Vermehrungsfabriken nach Bedarf produziert werden. Es gibt GĂ€rtnereien, die jĂ€hrlich 15 Mio. Orchideenjungpflanzen heranziehen.

Orchideensammlung von Kuno Krieger

GĂ€rtnereien

Wer sich jedoch ein wenig Zeit nimmt, der findet auch heute noch die kleinen SpezialgĂ€rtnereien mit einem breiten Bestand an interessanten Pflanzen und eigenen ZĂŒchtungen. Es ist eine wahre Lust durch die GewĂ€chshĂ€user zu streifen und immer wieder neue Formen und Farben zu entdecken. Und getrost kann man sich die ein oder andere Pflanze mit nach Hause nehmen, denn man erhĂ€lt hier auch gleich alle notwendigen RatschlĂ€ge zur Pflege dieser eigenwilligen Geschöpfe – direkt vom Fachmann. Phalaeonopsis, Frauenschuh, Masdevallien, Calanthen und manche andere Orchideen lohnen die MĂŒhe mit ungewöhnlicher BlĂŒtenpracht.

Text und Copyright: Karla Krieger