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Bodenpflege

 

Bodenpflege im Gewächshaus

 

Gewächshausboden – Struktur, Bedeutung und Pflege

 

Wenn Gärtner von (ihrem) Boden sprechen, dann ist damit eigentlich der Oberboden, umgangssprachlich „Mutterboden“, gemeint. Eine dünne Schicht, in der Regel um die 30 cm hoch, bestehend aus kleinen Gesteinspartikeln, je 25% Wasser und Luft und um die 3-4% organische Masse. Aus diesem Gemisch sprießt das pflanzliche Leben. Zwar verankern sich bekanntlich Bäume und Sträucher auch deutlich tiefer, denn ihre Wurzeln krallen sich in den sogenannten Unterboden oder B-Horizont. Im Gegensatz zum Oberboden enthält dieser kaum Humus und Bodenlebewesen. Somit ist gerade der Oberboden (auch im Gewächshaus) unabdingbar für

  • Pflanzenwachstum (durch den Humus) und damit unser aller Nahrungsgrundlage, aber auch die Grundlage für die pflanzliche Besiedelung von andernfalls durch Lawinen gefährdete Hänge.
  • Kleinstlebewesen, die als Nahrung für höhere Tiere dienen. Nur so besteht eine Chance auf Biodiversität.
  • Mikroorganismen, nämlich Pilze, Bakterien, Viren und Algen, die mit daran beteiligt sind Schadstoffe Pflanzenschutzmittel abzubauen.
  • Wasseraufnahme (gerade bei Starkregenereignissen ein wichtiger Hochwasserschutz)
  • Wasserreinigung, so dass nicht sämtliche Schadstoffe ins Grund- und letztlich Trinkwasser gelangen.  
  • Klimaregulation: Die aus dem Boden aufsteigende Luftfeuchte senkt die Temperatur, gerade in der aufgeheizten Stadt. Der Boden speichert CO2 und verlangsamt dadurch die Klimaerwärmung.
  • Und zu guter Letzt sind Böden Archive der Natur- und Kulturgeschichte.

Erosion, speziell auf großen Landwirtschaftsflächen, Toxin-Einträge, mangelnde Nährstoffversorgung genauso wie Überdüngung, Versalzung, Versiegelung durch Zersiedelung, Verdichtungen, pH-Verschiebung und Bodenmüdigkeit durch einseitige Nutzung gefährden jedoch das wertvolle und knappe Gut „Erde“.

Allein schon aus Eigeninteresse ist es daher ausgesprochen ratsam, dem Untergrund Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen. Im Freiland und auch im Gewächshaus.

 

Grund und Boden im Gewächshaus
 

Im Gewächshaus gibt es verschiedene Berührungspunkte mit dem Boden:

In der Bauphase wird „ausgekoffert“ – die Erde an der gewünschten Stelle weggeschaufelt –  um Platz für das Gewächshaus Fundament zu schaffen. Dabei ist darauf zu achten, dass es zu keinen starken Verdichtungen im Gewächshausboden kommt. Der kostbare Oberboden wird getrennt vom Unterboden entnommen, abgedeckt gelagert und weiter verwendet, z.B. als dünne Auflage in Gartenbeeten oder als Erdbeigabe im Komposthaufen. Gleiches gilt für die ausgekofferte Erde unter Wegen und Pflasterflächen innerhalb des Gewächshauses, allerdings reicht hier häufig ein kleines Sandbett von ca. drei bis vier cm, es wird in der Regel nur Oberboden entnommen. Komplett geschlossene Gewächshaus Flächen dagegen brauchen einen umfangreicheren Unterbau und Wasserablauf.

Ist die Fläche nicht vollständig gepflastert, gibt es in der Regel offenen Boden. In diese sogenannten Gewächshaus Grundbeete kann direkt gepflanzt werden. Einen kleinen Sonderfall stellen Hochbeete dar. Für sie wird das ganze Gewächshaus auf einen umlaufenden Sockel gestellt, eine weitere Mauer grenzt nach Innen die Wegefläche(n) ab. Nun kann entweder Erde aus dem eigenen Garten, vom Erdwerk, Substrat aus Säcken oder ein Kompostaufbau aus Strauch-, Rasenschnitt, Laub usw. zum Befüllen im Gewächshaus gewählt werden.

Egal ob Hoch- oder Grundbeet, es sollte auf hochwertiges Material im Gewächshaus geachtet und Bodenpflegemaßnahmen ergriffen werden, da dieser Boden die kommenden Jahre die Tomaten, Gurken und Blumen versorgen wird.

 

Bodenart

Die Bodenart – Sand, Schluff, Ton und Lehm – gibt an, welche Größe und Form die meisten Bodenartikel haben und bestimmt die relevanten Bodeneigenschaften wie die Fähigkeit, Wasser, Luft und Nährstoffe zu speichern und wieder freizusetzen, die Bearbeitbarkeit, das Tempo der Erwärmung, pH-Wert-Schwankungen und im gewissen Maße auch die Aktivität der Bodenlebewesen. Bestimmt werden kann die Bodenart im Gewächshaus durch eine Schlämm- und Rollprobe. In der Regel wird ein leichterer Lehmboden als „goldener Mittelweg“ angestrebt. (s.u.)

 

Die Pflege des Gewächshausbodens

Wer sich bei der Düngung im Gewächshaus an die Herstellerangaben hält und spätestens alle 5 Jahre eine Bodenprobe untersuchen lässt, vermeidet eine fatale Versalzung seines Bodens durch Überdüngung und schont nebenbei noch Grund- und Trinkwasser.

Der pH-Wert im Gewächshaus wirkt sich vielfältig auf den Boden aus. Mit dem richtigen pH-Wert zwischen 5 und 7 können Pflanzen die vorhandenen Nährstoffe (optimal) aufnehmen. Schadstoffe bleiben hingegen gebunden. Kleine Tiere, hilfreiche Pilze, Algen und Bakterien fühlen sich bei 6 bis 6,5 am wohlsten, weswegen dieser Bereich oft als Optimum angegeben wird. Dabei sollte jedoch die Bodenart beachtet werden: Bei einem stark sandigen Boden sind auch noch Werte über 5 in Ordnung, ein besonders tonhaltiger Boden hingen sollte besser bei 7 liegen, da sich sonst die Bodenstruktur (weiter) verschlechtern würde. Der pH-Wert im Gewächshaus wird am besten jährlich mittels Schnelltest bestimmt. Eine Kalkung erfolgt nur auf Grund dieser Messung. Als Faustformel gilt: 50g Branntkalk/ m² erhöhen den pH-Wert auf einem Lehmboden um ca. 0,5. Wobei zu beachten ist, dass jeder Boden unterschiedlich stark auf die Zuführung von Kalk reagiert und verschiedene Produkte sich in ihrer Konzentration unterscheiden. Im Zweifel sollte lieber in mehreren Durchgängen gearbeitet werden. Eine pH-Absenkung ist im Gewächshaus nur relativ selten notwendig, da das Regenwasser leicht sauer ist. Ist es dennoch notwendig, können Sand, Torf/ Torfersatzfasern, künstliche Substrate oder sauer wirkenden Dünger eingearbeitet werden. Zu letzteren zählen schwefelhaltiger Dünger. Hier ist jedoch dringend darauf zu achten, die Düngeempfehlung des Herstellers nicht zu überschreiten.

Muss die Bodenstruktur im Gewächshaus geändert werden, stehen mehrere Maßnahmen zur Verfügung:

Ein leichter Sandboden bekommt durch Zugabe von Tonpartikeln (z.B. „Bentonit“) mehr Substanz. Ein schwerer, nasser Tonboden hingegen profitiert von Beigaben aus groben/ scharfen Sand (= ein Sand ohne „Nullanteile“, sondern mit einer Körnung von beispielsweise 2-5mm). Liegt der bestehende pH-Wert im sauren Milieu unter 7, hilft kohlensaurer Kalk den Boden eine stabile Krümelstruktur zu halten. Alle diese Stoffe müssen tiefgründig in den Oberboden eingebracht werden, um richtig zu wirken. Abgesehen von solchen Eingriffen ist es ratsam, die Bodenlebewesen nicht durch zu viel Umgraben zu stören. Ein Sauzahn und ein Kultivator stellen eine deutlich schonendere Art der Bodenbearbeitung dar. Grundsätzlich allen Böden tut darüber hinaus die Zufuhr von Kompost gut, solange die Faustregel von maximal 3 Liter Kompost/ m2 eingehalten wird! So ausgebracht verändert der Kompost über die Jahre hinweg den Boden nicht nur in Hinblick auf Nährstoffe, sondern verbessert jede Bodenart und vermehrt den Humusanteil des Bodens.

Denn Humus ist einer der Schlüssel zur Bodenfruchtbarkeit, wiederum eine der Säulen des ökologischen Gärtnerns und der Bodengesundheit. Dafür gilt zuallererst die Grundregel: (Ober-) Boden immer bedecken!

In Frage kommen dafür neben klassischen, organischen Varianten auch anorganische Abdeckmaterialien wie Wollvlies, Sand, Splitt, Kies, Lavagranulat usw. Sie verhindern zumindest Erosion, Strukturschäden und Reduktion der Mikroorganismen durch Luftbewegung/Wind, Wasser und anhaltende Trockenheit/ Hitze. Ist der betreffende Standort überdüngt oder bestehen Schnecken-, Ratten- oder Pilzbefallprobleme, sind diese Materialien sogar vorzuziehen. Daneben dienen

•      Kompost (Achtung – Düngewirkung!)

•      Abgelagerter Stallmist (Achtung – enorme Düngewirkung, nicht im späten Jahr ausbringen!)

•      Rindenhumus

•      Flächenkompostierung -  Rasenschnitt, Stroh, Grünschnitt, ggf. auch Küchenabfälle ca. 5cm hoch aufbringen

•      Gründüngung (hinterher einarbeiten) aus Lupinen, Erbsen, Wicken, Luzerne, Phacelia, Borretsch, Buchweizen, Kornblume, Klee-, Senfarten, Sonnenblumen, Ölrettich zur Tiefenlockerung, Feldsalat (darf auch geerntet werden)

•      Rindenmulch und Mulchpapier, ggf. mit zusätzlicher Stickstoffdüngung, da das kritische Verhältnis zwischen Kohlenstoff (C) und Stickstoff (N) sonst dem Boden zunächst Nährstoffe entzieht.

•      Zwischenkulturen, z.B. Salate, Radieschen

zusätzlich als  „Futter“ für die Bodenlebewesen. Sie wandeln die Stoffe in Nähr- und Dauerhumus um, so dass die anschließend wachsenden Pflanzen sich daran bedienen können.

 

Bodenmüdigkeit, Bodenaustausch im Gewächshaus

Bodenmüdigkeit beschreibt den Zustand des Bodens bei der Kultivierung von Pflanzen, wenn das Wachstum bzw. die Erträge im Laufe der Zeit zurückgehen, wobei auch allgemeine Düngemaßnahmen keine Abhilfe schaffen.
Die Bodenmüdigkeit tritt im Gewächshaus insbesondere bei jahrelangem Anbau der gleichen Pflanzen am gleichen Standort auf. Sie ist meistens nur auf eine Pflanzenfamilie oder Gattung beschränkt. Alle möglichen Pflanzen wachsen an einem Standort, aber die gewünschten, welche dort früher gut wuchsen, gedeihen kaum noch oder verkümmern. Besonders bekannt ist die  Rosenmüdigkeit bzw. ein „rosenmüder Boden“, der dieses Phänomen treffend beschreibt und sich dann leider auf alle Rosengewächse, also auch auf die meisten Obstbäume bezieht.
Das Phänomen der Bodenmüdigkeit ist komplex und trotz jahrzehntelanger Forschung noch immer nicht vollständig wissenschaftlich erfasst. Bekannte Teilaspekte/ Gründe sind:

  • spezifischer Entzug von Nährstoffen, auch Verarmung von bestimmten Spurenelementen
  • Anhäufung von Schädlingen im Boden (z. B. Kohlhernie)
  • Stoffwechselausscheidungen der Wurzeln, die das Wachstum hemmen oder Schädlinge anziehen
  • Artenrückgang der Bodenlebewesen und damit verbundene negative Veränderung der Bodengare/ -fruchtbarkeit
  • Ungünstige Änderung des pH-Wertes im Boden

 

Es wird ersichtlich wie sehr das Problem auf dem jahrelangen Anbau der immer gleichen Pflanzen fußt. Daher ist eine der wichtigsten Gegenmaßnahmen eine abwechslungsreiche, „weite“ Fruchtfolge im Gewächshaus, bei der die Gattungen der angebauten Arten berücksichtigt und nur im Abstand mehrerer Jahre verwendet werden. Da dies in einem kleineren Gewächshaus nicht umsetzbar ist, besteht hier die Lösung darin, die Nachtschattengewächse Tomate,  Paprika, Chili, Aubergine, Kartoffel,  Physalis, Birnenmelone/ Pepino und die besonders ausgeprägten Starkzehrer Gurke, Melone, Kürbis und Kohl lieber in separate Erde zu pflanzen, z.B. in Töpfen, Kübeln oder direkt einen Sack mit Substrat („Sackkultur“).

Zusätzliche Maßnahmen zur Bodengesundheit sind:

  • Minimaler Einsatz (chemischer) Pflanzenschutzmittel
  • Regelmäßige optimale Düngung
  • Optimaler pH-Wert
  • Stärkungsmittel wie Gesteinsmehle, Kräuterbrühen, Kompostauszüge, Lebermooser, Biplantol
  • Mischkultur
  • Im Frühjahr und Sommer Kompost einarbeiten
  • Boden organisch abdecken (s.o.)
  • Bodenkuren/ Gründüngen (s.o.)

Eine ganz besonders interessante Wirkung als Gründüngung im Gewächshaus haben Kreuzblütler, wie Ölrettich oder Sareptasenf. Sie enthalten relativ viel „Glukosinolaten“. Bei der Zerkleinerung und Einarbeitung in den warmen, feuchten Boden, kommt es zur Synthese von “Isothiocyanaten“. Dieses ist wirksamer Teil des Bodenentseuchungsmittels Basamid. Zwar ist die Konzentration geringer und die Wirkung schwächer als bei dem chemischen Mittel, doch zeigt diese sogenannte Biofumigation, welch wirksame Möglichkeiten zur Bodenpflege bestehen, insbesondere bei kombinierten Maßnahmen. Denn die einzige Alternative beispielsweise bei Rosenmüdigkeit besteht in einem aufwändigen 60cm tiefen Bodenaushub, um diesen komplett zu dämpfen oder auszutauschen.

 

Substrate und Erden im Gewächshaus

Weiterhin kommen gerade im Gewächshaus „künstliche Erden“, sprich Substrate zum Einsatz. Für die Anzucht, das Befüllen von Töpfen und Kübeln und die Sackkultur sind Substrate nahezu unabdingbar.

Außerdem können sie auch zur Bodenverbesserung im Gewächshaus verwendet werden, dafür immer leicht in den Boden einarbeiten/-harken.

Grundsätzlich bestehen Substrate aus Hochmoortorf bzw. Ersatzfasern (Holzhäcksel, Grünschnitt, Kokos, Kompost) als Ausgangsmaterial, dazu kommen zusätzlicher Dünger und ggf. Zuschlagstoffe wie Sand, Splitt, Ton, Perlit.

Die torffreien Substrate punkten nicht nur aus Sicht des Umweltschutzes, sondern auch technologisch. Einmal ausgetrocknet nimmt Torf beim normalen Gießen das Wasser nur schlecht wieder auf, bis dahin trocknet er relativ langsam ab, was Trauermückenbefall begünstigt.

Der Dünger in Fertigsubstraten ist in der Regel für 4-6 Wochen ausgelegt, danach muss wieder gedüngt werden. Organische Dünger wie Hornspäne sollten zusammen mit einer Schaufel Garten- oder besser Komposterde verabreicht werden, denn in den meisten Substraten befinden sich keine Mikroorganismen, welche diese Dünger zersetzen könnten.

 

Fazit

 „Boden“ ist ein sehr komplexes Thema, aber auch ein interessantes. Denn hierbei hat es jeder (Hobby-) Gärtner buchstäblich selbst in der Hand für seine Pflanzen einen Ort zu schaffen, an dem sie optimal Wurzeln schlagen können. Blütenfülle, Erntereichtum und das gute Gefühl nachhaltig und schonend mit den natürlichen Ressourcen zu arbeiten sind der Dank dafür.

Copyright: Ilona Krieger, Kuno Krieger GmbH Gewächshaus Center

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